Self-Improvement vs. Arbeit nervt

Oder: Was genau ist eigentlich so gut an dem Leben auf der Überholspur?

Wir wollen grüne Smoothies trinken, Networking betreiben, gehen zum Yoga und die ganz harten sammeln Kollektionen von Sport-Utensilien. Gibt’s ja schließlich alle drei Wochen bei Penny im Angebot.
Der Lifestyle-Trend geht Richtung Self-Improvement. Was das ist? Wir wollen gesünder, leistungsstärker, kommunikativer, sozialer, effizienter, schöner, schlichtweg besser werden. In jedem noch so winzigen Bereich unseres Lebens kann man sicher noch was drehen. Was das bedeutet? Unendliche Anstrengung – ich spare mir die Ausführungen, denn wir wissen, wo es endet. Jeder weiß es, weil es jeder schon mal versucht hat. Mit dem Joggen anfangen, einen Semesterplan aufstellen und einhalten, Multitasking, diesen Kaffee-Tisch nachbauen, einen Apfel einstecken anstatt unterwegs etwas zu kaufen. Und am besten sehen wir dabei immer so aus wie unsere Vorbilder bei Instagram & Co.
Harte Arbeit und Frustration. Ganz ehrlich, wenn ich darüber nachdenke, habe ich gar keine Lust darauf. Geht es da irgendwem auch so? Ich dachte wir wollen das Leben genießen, glücklich sein. Und jetzt soll ich arbeiten, außerhalb meines Jobs/der Uni? Ohne Bezahlung? Und vor allem: Was ist an mir so schlimm, dass jemand überhaupt auf die Idee kommt, ich müsse mich verbessern?
Halt, Stopp. Mal ganz langsam. Verbesserung ist natürlich erst mal nichts Schlechtes. Sonst hieße es… Naja, Verschlechterung. Und es geht nicht darum, dass wir alle schlecht sind und besser gemacht werden müssen. Erinnern wir uns mal daran, dass unser „glücklich sein“ hier im Mittelpunkt steht. Also ist die Verbesserung bloß ein anderes Wort für „glücklicher sein“. Aus „Ich verbessere mich“ wird „Ich mache mich glücklicher“ und zack – damit sind alle d’accord. Sobald unsere Self-Improvement-Mission uns nicht glücklich macht, ist der Sinn verfehlt. Und meistens sind die Sachen, die uns nicht glücklicher machen, eh nicht aus uns selbst heraus begründet, sondern werden von Konventionen, Eltern, Freunden und Lifestyle-Magazinen vorgegeben. Ich will damit nicht sagen, dass wir alles über den Haufen werfen und niemandem mehr irgendwas glauben sollen. Jeder von weiß aber am besten, was ihm oder ihr guttut.
Ich zum Beispiel täte gut daran, mir das Joggen anzugewöhnen. Ich hab es ernsthaft versucht und musste nach kurzer Zeit resignieren. Da ich generell nicht die Sportlichste bin und mir mein schlechtes Gewissen über verpasste Lauf-Einheiten mehr und mehr Tage vermieste, stellte ich nach wenigen Monaten fest, dass Joggen einfach nichts für mich ist. Es muss ein anderes Mittel geben, meinen Körper fit zu halten (oder überhaupt fit zu machen). Mit dem Thema Sport bin ich noch nicht ganz durch, deshalb kann ich noch keinen wirklichen Erfolg verzeichnen. Momentan bin ich so weit von der disziplinierten Mitgliedschaft im Fitness-Studio entfernt, dass ich mich nicht mal berechtigt fühle, über Sport im Allgemeinen zu reden.
Der Punkt ist: Ich will mich besser fühlen und ich bin mir darüber bewusst, dass ich dafür einige Strapazen in Kauf nehmen werde. In erster Linie werde ich mich mal mit dem Thema Disziplin auseinandersetzen. Das tu ich allerdings nicht, weil ich es MUSS, sondern, weil ich es MÖCHTE. Weil es mir Spaß machen soll, an mir zu arbeiten und ich keine Bauchschmerzen bekommen möchte, wenn ich an den bevorstehenden harten Tag denke.
Die oberste Prämisse auf dem Weg der Selbst-Verbesserung sollte sein, das Lächeln dabei nicht zu erschweren. Haben wir das im Hinterkopf, sollte es nicht allzu schwer sein zu sortieren, was hilft und was auf Dauer nicht glücklich macht.

 

Kuss, Lilli

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