Isst du noch oder lebst du schon?

Heute werde ich mein Versprechen brechen. Ich habe implizit versprochen, hier niemals über negative Themen zu schreiben. Das Thema ist auch eigentlich überhaupt nicht negativ. Im Gegenteil! Das Thema kann nichts dafür, dass es meinen demotiviertesten Nerv trifft. Aber vielleicht geht es dir ähnlich.

Den Gedanken „Ich sollte meine Ernährung umstellen“ hatte ich Pi mal Daumen schon 73 Mal in meinem Leben. Die meisten Leute tun das erst dann, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen dazu gezwungen sind, auf XYZ zu verzichten. Ich denke, diesen Punkt habe ich nun erreicht, aber dazu später.

Das Thema „Ernährungsumstellung“schreckt erst mal ab und zwar aus dem Grund, dass sofort der Gedanke „Oh mein Gott, nie wieder (hier Lieblingsspeise einfügen)!!“ in unseren Köpfen aufblinkt. Ernährungsumstellung bedeutet rigoroser Verzicht auf alles, was lecker ist und tagein, tagaus Obst, Gemüse und Vollkornbrot. Die Gesundheits-Hipster verzichten momentan gefühlt auf alles: Zucker (auch Fruchtzucker), Kaffee, Laktose, Gluten, tierische Produkte, Salz, Fette, Lebensfreude und so weiter. Das ist bestimmt irgendwie gesund, aber für Otto Normalverbraucher 1. Angst einflößend, 2. sau teuer, 3. paradox – man gibt mehr Geld für Essen aus, obwohl man doch auf alles verzichtet und 4. kaum durchzuhalten. Gern werden die „bösen“ Lebensmittel mit Drogen verglichen. Sie machen süchtig und der Entzug ist hart aber notwendig.

Ich plädiere heute mal dafür, Essen als Mittel zum Überleben zu sehen und nicht als Feind. Natürlich gibt es haufenweise Nahrungsmittel, die nicht gut für uns sind. Zumindest nicht auf Dauer und/oder in Massen. Aber jedem geht der Popo auf Grundeis, wenn die Worte „kalter Entzug“ fallen. Wie wär’s wenn man den Körper ganz geschmeidig an Neues gewöhnt? Das ist (im wahrsten Sinne) auch für den Geist leichter verdaulich. Und ich wage mal, zu behaupten, dass es einfacher ist, eine Mini-Veränderung durchzuhalten und zur Gewohnheit zu machen, als einen kompletten Lebensstil.

Solltest du jetzt denken „JA! Ich ernähre mich ab jetzt gesund!“, empfehle ich, nichts zu überstürzen. Es lohnt sich, das ein oder andere Buch über gesunde Ernährung zu lesen und auch das Internet bietet breit gefächerte Lektüre-Möglichkeiten. Allerdings warne ich auch vor versteckten Diät-Empfehlungen. Nutze deinen Verstand, deine Erfahrung und dein Körpergefühl. Manche Ernährungskonzepte sind einfach nicht für dich gemacht, vor allem, wenn du an sich nicht abnehmen willst. Und selbst wenn du abnehmen willst: wenn du dich gesund ernährst, brauchst du keine Diät.

In jedem Fall von Ernährungsumstellung gilt zu beachten:

– Was esse ich momentan? Was davon ist nicht gut für mich?

– Auf was möchte ich verzichten? Oder krankheitsbedingt: Auf was muss ich verzichten?

– Muss ich das durch irgendwas ersetzen?

– Wie kann ich meine neue Ernährungsweise in meinen Tagesablauf integrieren?

An dem letzten Punkt hatte und habe ich immer noch zu knabbern. Seit November 2015 versuche ich herauszufinden, welche Nahrungsmittel bzw.Inhaltsstoffe mein Körper nicht verträgt. Naheliegend waren Laktose oder Gluten. Auf Laktose reagiere ich ab gewissen Mengen so oder so, daher dachte ich, dass sich meine Sensibilität einfach verstärkt hat. Ich habe also mehrere Wochen erst auf Laktose und dann auf Gluten verzichtet. Das ist gar nicht so einfach und für Laien ziemlich kostspielig. Da ich arme Studentin bin, ernähre ich mich im Grunde momentan von Obst, Gemüse, Nüssen, Milch, Joghurt und Reiswaffeln. Na ja… und Kaffee. Das klingt jetzt erst mal nicht nach viel. Und es ist anfangs auch gar nicht so einfach, kein Brot und keine Nudeln zu kaufen. Es war besonders schwer, wenn ich freitags 6 Stunden lang in der Uni saß und kein Pausenbrot mitnehmen konnte. Auch meine schnelle Single-Portion Spaghetti mit Tomatensoße, wenn keine Zeit für große Küchen-Action ist, gehört der Vergangenheit an. Ich gebe es nur ungern zu, aber bis vor kurzem war meine größte Leidenschaft sonntags im Bett zu liegen und mir Pizza und Pasta liefern zu lassen.

Ja, es ist wirklich schwierig, alte Essgewohnheiten abzulegen. Allerdings macht es auch Spaß, sie durch neue kleine Rituale zu ersetzen und neue Rezepte auszuprobieren. Das muss gar nicht aufwendig sein – ich bin auch kein Fan davon, stundenlang in der Küche zu stehen, wer hat dafür schon Zeit?!

Seit ich (größtenteils) auf Gluten verzichte, geht es mir körperlich sehr gut. Das mag zum Teil aber auch damit zusammenhängen, dass ich mich generell gesünder ernähre, weil viele ungesunde Sachen glutenhaltig sind. 2 Fliegen mit einer Klappe!

Ich habe das Gefühl, wenn es um Ernährung geht, gibt es haufenweise Gesprächsstoff. Wenn es dir auch so geht, teile deine Tipps und Meinung oder vielleicht auch deine „schlechten“ Essgewohnheiten in den Kommentaren mit mir!

Ich habe mal ein paar Kniffe und Tipps zusammengestellt, die vielleicht den ein oder anderen motivieren und inspirieren, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Ein Schrittchen nach dem nächsten.

Probier‘ doch mal:

– frisch aufgebrühten Ingwer

– Joghurt/Quark mit Früchten

– Gratins mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis und allem, was man so in eine Auflaufform schmeißen kann. (Kürbis und Süßkartoffeln schmecken auch einfach so im Ofen gebacken super)

– weiche Avocado als Soßen-Ersatz, wahlweise mit Frischkäse und Gewürzen verfeinert

– Pfefferminz-Tee leicht süßen, kaltstellen et voilà – Eistee!

– offen für Neues zu sein: Ohne meine Neugierde hätte ich mich niemals in Rote Beete verliebt!

Beim Gedanken an all diese leckeren Sachen fällt mir auf, dass es doch gar nicht so schlimm ist, sich mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen. Na dann kann ich ja jetzt beruhigt meinen Rhabarber-Kompott essen.

 

Kuss, Lilli

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