Zwischen Löwenherz und Angsthase

Was sollen wir tun, wenn wir in alte Muster verfallen? Es kommt uns vor, als wären wir für immer in einem Teufelskreis gefangen. Veränderung fällt so schwer, weil wir Angst haben. Aber das Thema Angst möchte ich heute nicht explizit behandeln. Jeder von uns weiß am besten, was ihm Angst macht. Und falls nicht, mach dir das schnellstens bewusst. Kenne deinen Feind, vor allem dann, wenn er in deinem Kopf sitzt und die Kontrolle über dein Leben übernommen hat.

In den letzten Wochen hat der Feind meinen Tag gesteuert, ohne dass mir das richtig bewusst war. Ich hatte Angst, etwas zu verlieren – Teile meines Lebens und Kontrolle. Siehst du den Widerspruch? Durch meine Angst hatte ich die Kontrolle schon lange verloren und mich dem Lauf der Dinge ausgesetzt.

Was bleibt also? Was kann ich tun? In meinem Fall war das relativ einfach: Ich habe mich ins „Leben“ gestürzt, um nicht über meine Angst nachdenken zu müssen. Habe viel Alkohol getrunken, wieder zur Zigarette gegriffen (und das zuzugeben kostet mich viel Überwindung). Kurz: Ich bin in ein altes Leben geflüchtet, denn da wusste ich wenigstens, woran ich war. In einer Situation, die so ungewiss ist, wollte ich vor allem Sicherheit. Denn wie gehe ich damit um, dass eine enge Vertraute ans andere Ende des Landes zieht? Was mache ich wenn das neue Band-Projekt in die Hose geht? Wie gehe ich meine Bachelor-Arbeit an und was kommt danach? Meine Reaktion auf diese Gedanken war, nicht zu reagieren.

Emotionales Wachstum = Null.

Es hat nun ein paar Wochen gedauert, bis ich mir das eingestehen konnte und die Einsicht folgte relativ schnell. Ich möchte das nicht. Denn es gibt tausend Gründe dafür, dass ich diese Lebensweise hinter mir gelassen habe.

Es bleibt einem nichts anderes übrig, als nach vorn zu schauen. Sich der Angst zu stellen, sei es mit einem Plan und neuen Zielen gewappnet oder mit bloßen Händen und offenem Herzen. In jedem Fall brauchen wir nur eins: Mut.

Mut ist eine Tugend. Ohne Mut gibt es keinen Fortschritt. Und das meine ich wörtlich. Manche Menschen müssen tagtäglich ihren gesamten Mut zusammennehmen, um aus dem Bett aufzustehen. Ich spreche da aus Erfahrung. Wie viel Mut notwendig ist, um sich einem neuen Lebensabschnitt zu stellen oder einem alten Abschnitt für immer den Rücken zu kehren, ist kaum fassbar.

Manche Menschen sind von Natur aus mutig. Ich kann das leider nicht von mir behaupten, aber ich weiß, dass ich mutig geworden bin. Man kann „Mut“ erlernen und das sogar relativ einfach (falls du jetzt an Kämpfe mit Drachen oder Bungee-Jumping gedacht hast ;D). Sich über den Rand der eigenen Komfortzone hinauswagen… Das ist wohl auch kein Geheimnis mehr, aber die wenigsten wissen, was das konkret bedeutet. Und da liegt meiner Meinung nach das Problem. Jeder sollte wissen, was ihm oder ihr unangenehm ist. Vielleicht ist es, sich in der Uni mal gegen die Meinung des Dozenten zu äußern oder zuzugeben, wenn man etwas nicht verstanden hat. Vielleicht ist es, sich einer Person zu öffnen und riskieren, verletzt zu werden. Vielleicht ist es, den Job zu kündigen. In der Selbsthilfe-Fraktion gibt es Challenges, bei denen man sich jeden Tag einer kleinen Aufgabe stellt, die einem Mut abverlangt. Ich persönlich möchte aus dem Mutig-werden keinen Sport machen, aber so manchem Angsthasen hilft das vielleicht. Letztendlich reicht es, mutig zu sein, wenn die Alternative bedeutet, einen Schritt zurück zu machen.

Eine gute Freundin sagte: „Mut setzt das ungetrübte Bewusstsein über die eigene Situation voraus.“ Mut ist also nicht zu verwechseln mit unüberlegtem und leichtsinnigem Handeln. Wer nicht nach gutem Wissen und Gewissen handelt, kann kaum mutig sein. Das beinhaltet auch, dass man sich über mögliche Niederlagen und Fehlschläge bewusst ist. Der Ritter mit gezogenem Schwert ist sich durchaus bewusst, dass jeder Kampf sein letzter sein kann. Aber wir gehen mal davon aus, dass wir uns heute mit weniger tödlichen Problemen beschäftigen. Risiken einzugehen ist mutig, sich nicht mit Risiken zu befassen, ist leichtsinnig. Die Verantwortung für eine Niederlage zu übernehmen ist mutig, anderen die Schuld zuweisen ist es nicht. Niederlagen sind unumgänglich, so gut man sein Handeln auch durchdenkt.

Das klingt alles sehr aktiv und im Grunde ist das auch so. Aber Mut fängt mit einer kleinen passiven aber bewussten Entscheidung an und die kann jeder heute und jetzt treffen. Du und ich.

Nicht aufgeben.

 

 

Kuss, Lilli

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s