Gewissenbisse und Perspektivenwechsel

Lang ist’s her. Es ist an der Zeit. Die kleinen Lektionen des Lebens haben sich angehäuft und die Letzte, die in mein schwer beschäftigtes Hirn drang war: Du willst Dinge erschaffen. Da liegt irgendwo eine Website rum, die Ausdruck deines Schöpfungsdrangs sein sollte – wie wär’s damit? Tu es. JETZT.

Momentan droht mein Kopf zu platzen, weil ich so viele Ideen habe, die ich umsetzen möchte. Vielleicht sind es sogar zu viele, um sie alle zu realisieren. Und ich fragte mich eben, warum zum Teufel zwischen all diesen Ideen nicht der Wunsch, einen Blog-Beitrag zu schreiben, hervortrat. Ich weiß keine Antwort darauf, aber irgendwo zwischen können, müssen und wollen dachte ich „Wäre doch ganz schön, so ein Beitrag“.

Ich habe keinen wirklichen Content vorbereitet. Neben all den Ideen in meinem Kopf – nein, ÜBER all diesen Ideen – blinkt bedrohlich ein riesiges Neonschild. Bachelorarbeit steht da drauf. Ich arbeite gerade also an meiner Bachelorarbeit und all die tollen Dinge, die ich vorhabe müssen noch mindestens 2 Monate Vorhaben bleiben. Habe ich schon erwähnt, wie viele Ideen in meinem Kopf sind?!

Wahrscheinlich geht es jedem irgendwann mal so. Man hat Pläne und muss sie aufschieben, weil anderes gerade wichtiger ist. Oder man erreicht seine Ziele nicht, weil man undiszipliniert ist und lieber tut, wonach einem der Sinn steht. Eins meiner persönlichen Szenarien: Ich will Dinge tun, habe aber ein schlechtes Gewissen, meine Pflichten zu vernachlässigen, bleibe also an meinem Schreibtisch sitzen und denke stundenlang darüber nach, was ich lieber tun würde. Und letztendlich habe ich weder das getan, wonach ich mich fühlte, noch meine Aufgaben erledigt. Tolle Wurst. Wenn ich eine Sache nicht ausstehen kann, ist es Unproduktivität. Außer sonntags.

Dieses blöde schlechte Gewissen. Wir empfinden plötzlich all unsere Wünsche und Pläne als Zeitverschwendung und Fokusverlust. Das ist Bullshit. Alle, wirklich ALLE Menschen die ich kenne, die erfolgreich in ihrem Leben und vor allem in ihrem Beruf sind, sind es gerade WEIL sie beides schaffen. „Ausgleich“ nennen sie das. Und das ist ja auch ganz logisch. Sei es, um nach getaner Arbeit den Kopf frei zu kriegen und sich zu belohnen, oder um neue Motivation und Energie zu schöpfen für die nächste Runde Pflichten-Wahnsinn. Langfristig können wir nur unsere Ziele erreichen, wenn wir beides tun. Es macht in unserer Arbeitsmoral einen riesigen Unterschied, ob wir „unsere Zeit verschwenden“ und uns am Ende dafür auch noch selbst hassen, oder ob wir unsere Zeit nutzen. NUTZEN. Für was auch immer. Sport, ein Glas Wein mit Freunden, ein Buch schreiben oder lesen, den Kleiderschrank ausmisten, ein Konzert besuchen, ein Konzert geben, Schach spielen. Dinge, die in dem Leben eines Karrieremenschen eine große Rolle spielen, die meiner Meinung nach von Außenstehenden viel zu wenig geschätzt werden. Dabei sind diese Dinge wichtig, ja sogar nicht verhandelbar. Essentiell.

Die Moral von der Geschicht? Ich gebe meinen Wünschen und Plänen in Zukunft mehr Raum. Ohne schlechtes Gewissen. Ich lasse mich von ihnen für die nächste Nachtschicht mit meiner Bachelorarbeit motivieren. Denn am Ende möchte ich nicht nur geackert haben, wie eine Blöde. Für mich persönlich ist es fast wertvoller, wenn ich etwas erschaffe, was mir am Herzen liegt. Und – sind wir mal ehrlich – oftmals liegt uns unser Job nicht so sehr am Herzen, dass die Freude über einen kleinen Erfolg ausreicht, um langfristig motiviert zu sein. Mir macht es zumindest keinen Spaß, wissenschaftlich fundierte Arbeiten zu schreiben. Aber auch hier ist es eine Sache der Perspektive. Schließlich mache ich dieses Studium, um meinem Wunsch ein Stück näher zu kommen.

Und so schließt sich der Kreis.

 

Kuss, Lilli

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