Was ist das für 1 Welt?

Jeden Tag werden wir dazu angeregt, uns selbst zu hinterfragen. Ich zumindest. Insbesondere in den letzten Wochen und Monaten. Bei Facebook gibt es haufenweise Artikel à la „Wie Du glücklicher und gelassener wirst “ oder „10 Dinge, die Du aus Deiner Diät streichen solltest“, und die tollen Profilbilder und Statusnachrichten meiner virtuellen Freunde binden mir dauerhaft auf die Nase, dass in meinem Leben was fehlt. Es ist unglaublich schwer, sich selbst zu mögen, wenn man indirekt mit all seinen Unzulänglichkeiten konfrontiert wird. Noch schlimmer wird’s, wenn dir jemand ins Gesicht sagt, was an dir nicht stimmt. Speziell, wenn es um dein Äußeres geht.

Das hier soll kein Anti-Mobbing-Beitrag werden (obwohl es davon meiner Meinung nach viel zu wenig gibt). Aber… Angesichts der oberflächlichen Scheiße, die sowohl im Netz als auch in der „echten“ Welt abgeht, möchte ich mal meinen Senf dazugeben.

Ich frage mich, was in den Köpfen der Leute vorgeht, die sich erlauben jemanden ohne jegliches Hintergrundwissen zu verurteilen. Erwachsene Menschen, die destruktive Kritik an anderen Menschen äußern, weil sie dick sind, künstliche Fingernägel haben, dreckige Schuhe tragen, vegan leben. Oder weil sie Samstagabend ungeschminkt und mit ungefärbtem Haaransatz in den Club gehen. Die Liste ist lang. Ich weiß, dass ich bei Themen wie diesem ziemlich sensibel sein kann. Und es geht mir auch gar nicht darum, Leute zurechtzuweisen. Andersrum: Halt dich von solchen Leuten fern. Energie-Vampire, Narzissten, Scheinheilige. Nichts Neues.

Wir wollen einerseits hoch hinaus, die Zeit unseres Lebens haben und uns unschlagbar fühlen, gleichzeitig mehr Tiefgang, an der Essenz von Freundschaft und Liebe kratzen, weil das zu einem erfüllten Leben gehört. Aber weil das jeder möchte, bleiben die Schwachen auf der Strecke. Da ich mich selbst eher zu den Schwachen zähle, finde ich das natürlich doof. Ich hab ja auch ein Recht darauf, glücklich zu sein. Der Trick ist vielleicht nicht „stark“ zu werden. Der Trick existiert vielleicht gar nicht, weil manche Dinge möglicherweise nicht in meiner Hand liegen, sondern in den Händen meiner Mitmenschen. Der Trick ist also auch nicht, jedes Mal, wenn mir jemand quer kommt, einen neuen Bekanntenkreis zu erschließen. Deswegen finde ich dieses „halte dich von falschen Leuten fern“ auch manchmal einfach nicht für einen adäquaten Rat.

Was ist das für eine Welt, in der einem so so so viele sozial inkompetente Flachpfeifen begegnen, die anderen Leuten die besten Freunde sind und einem selbst entgegentreten, als hätten sie den Satz „Fass dir an die eigene Nase“ noch nie gehört. Als wäre ihnen nicht bewusst, dass sie Menschen sind, dass du ein Mensch bist, dass ich ein Mensch bin und dass wir alle uns in einem Attribut von allen anderen Lebewesen dieses Planeten unterscheiden. Und dass dieses Attribut nichts besser macht, aber besonders. Und warum gehen wir miteinander nicht um, wie mit Besonderheiten? Wo ist die vorsichtige Neugier? Wann ist alles egal geworden?

Am Ende bleibt mir nur mein dünnes, schwaches Stimmchen und der Mut zu sagen: Hey. Denk mal darüber nach, wie die Dinge, die du tust und sagst, bei deinem Gegenüber ankommen. Nicht jeder Mensch ist immun gegen Kritik – manch einer wird durch deine Worte echt verletzt und es liegt in deiner Erfahrung und Verantwortung, ob du Worte wie Waffen benutzt oder als Mittel für mehr Menschlichkeit.

Mist. Ich wollte doch niemanden zurechtweisen.

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