Neue Orte und alte Freunde

Berlin. Jedes Online-Magazin, das ich verfolge schrieb mindestens einmal über das Leben in Berlin. Hier gibt es eine Million Möglichkeiten, die darauf warten, dass genau DU sie ergreifst. Hier kann sich jeder verwirklichen, wenn er das möchte. Und trotzdem ist gefühlt jeder zweite hier einfach ziellos. Manchmal unfreiwillig und manchmal auch nur unterbewusst. Ich gehöre zur ersten Sorte. Eine Freundin prophezeite am Anfang meiner „Ich-möchte-gern-nach-Berlin-Anwandlung“: Wenn du ohne Plan nach Berlin gehst, bist du fast verloren. Und sie hatte irgendwie Recht. Mein Plan stand eigentlich. Er war gut. Er ging aber nicht auf, was im Grunde auch gar nicht so schlimm ist. Das Schlimme ist, dass ich hier dazu verleitet wurde, über das große Ganze nachzudenken und jetzt bin ich nicht nur für diesen 3-monatigen Aufenthalt in der Hauptstadt planlos, sondern auch für meine weitere Zukunft. Ich weigere mich aber, Planlosigkeit mit Hoffnungslosigkeit zu mischen. Denn das ist eine wirklich gefährliche Mischung.

Ich möchte es gern so sehen: Ich brauche einen Plan. Keinen total ausgeklügelten Plan, den ich penibel verfolge. Nur einen groben Plan, eine Aufgabe, die nicht sinnlos ist. Mir stehen mehrere Türen offen – immerhin beende ich Ende März mein Bachelorstudium. Und entgegen der kleinen fiesen Stimme in meinem Kopf möchte ich schon daran glauben, dass das irgendwas wert ist. Das einzige, was mich daran hindert, endlich einen Plan zu schmieden, ist meine alte Freundin, die Angst. Im Kopf schlage ich noch einmal alle Lebensweisheiten nach und erinnere mich, dass man nur wachsen kann, wenn man sich aus seiner Komfort-Zone traut. Das habe ich. In der Tat fühle ich mich so unwohl in meiner Haut, an diesem Ort, in dieser Stadt, wie schon lange nicht mehr. Und so sehr mich das wurmt… Es ist ja der Beweis dafür, dass ich gerade in diesem Moment so mutig bin, wie lange nicht mehr. Würde ich meiner Freundin Angst das Ruder überlassen, würde sie mich schnurstracks in den nächsten Bus in die Heimat setzen. Mama und ich würden Wein trinken und gemeinsam über meine verkorkste Situation jammern.

Aber ich bleibe hier in Berlin, in der Stadt der Millionen Möglichkeiten. Denn wenn ich nicht hier wäre, hätte ich eben nicht die Möglichkeit die Möglichkeiten zu ergreifen. Und selbst, wenn ich es nicht tue, weiß ich, was ich hier haben kann. Wenn ich wiederkomme.

Mein Zwischenfazit: Fremde Orte und fremde Menschen sind einschüchternd, aber wenn man sich diesen Dingen stellt, werden nicht nur sie weniger fremd. Man wird sich selbst weniger fremd. Die Art und Weise, wie man mit dem Fremden umgeht, sagt so viel über einen selbst aus. Und was auch immer man so über sich herausfindet, ist wichtig. Auch wenn es nur die Erkenntnis ist, dass man eine Scheiß-Angst vor der Zukunft hat. Jetzt kann man damit arbeiten. Ich würde immer wieder irgendwo hinziehen. Auch ohne Plan. Weil ich jetzt weiß, dass ich das kann, trotz Angst.

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