F*ck The Critics

Ich schreibe heute aus tiefster Wut. Sie wird verfliegen, da bin ich mir sicher. Wenn der Beitrag online geht, ist sie das wahrscheinlich schon. Es gibt aber trotzdem Dinge, die ich sagen möchte. Diese Dinge möchte ich schon lange sagen, weshalb ich mir sicher bin, dass sie, anders als die Wut, nicht dahinschwinden und unbedeutend werden.

Meine Generation ist in einer Zeit groß geworden, in der ein Umschwung stattfand. Seit geraumer Zeit häufen sich die Ereignisse, die beweisen, zu was Menschen in der Lage sind. Immer mehr und immer schneller und immer effizienter. Damit meine ich gute Dinge. Frauenrechte, Weltoffenheit, Umweltschutz, der Mauerfall – alles Errungenschaften von Menschen, die mit Herz bei der Sache waren, Risiken eingingen und für ihre Werte kämpften. Menschen wie du und ich.

Die Filme, die ich schaute, als ich klein war, die Bücher, die ich las, vermittelten mir stets, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es nur wollte. Dass Liebe (in ihrer simpelsten Form) siegt und, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann und muss. Dass ich ich selbst sein soll, auch wenn Klein-Lisa natürlich noch überhaupt nicht wusste, was das bedeutet. Aber die große Lisa weiß das jetzt. Jetzt bin ich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich diesen Lehren hingeben kann, sie umsetzen kann und ja, dahinterstehen kann. Aber leider ist auch jetzt der Zeitpunkt, an dem mir daraus ein Strick gedreht wird. Das „Geh deinen Weg und lass dich nicht beirren“ wird zum Vorwurf.

When the fuck did that happen?

Wann wurden meine Träume zum Problem anderer Leute? Gibt es ein inoffizielles Ablaufdatum für meine Zukunftsvision? Und wenn ja, bin ich nicht die einzige Person, die dieses Datum festlegt?

Was ist passiert mit „Der Weg ist das Ziel“? Darf man diesen Weg nur gehen, wenn man mit Mitte 20 ein geregeltes Einkommen hat? Wenn die Visionen leicht realisierbar und bloß nicht anders sind, als die sogenannten „Visionen“ aller anderen? Warum wird mein Weg nicht akzeptiert? Warum muss ich mich rechtfertigen?

Vielleicht, weil das Leben nicht wie im Film ist und weil man ja von irgendwas leben muss. Irgendwann muss man ja arbeiten gehen.

Ich habe nun verstanden, dass pseudo-weise Floskeln eine Einladung zum Handeln sind. Und dass andere das einfach noch nicht geblickt haben. Mein Leben ist nicht wie ein Disney-Film, aber Fakt ist, dass all meine Helden die Eigenschaften haben und die Taten vollbringen, die ich feier. Und ich schließe daraus, dass ich getrost meinen Weg gehen kann, lieben kann, kämpfen kann und das Richtige für mich tun kann – weil ich mich dann selbst feiern werde. Das ist der Kern von Selbstliebe. Feier dich selbst.

Während das Kind in mir also an diesen Idealen festhält, ist die Welt in der ich lebe irgendwie doch nicht so anders geworden. Sonst würde nicht jeder einzelne Mensch jeden Gedanken und jede Handlung durch den Karriere-Filter jagen. Irgendwann im Leben hat man sich als Mädchen die Frage gestellt, ob man eher Karriere machen möchte oder Hausfrau und Mutter sein will. Und ich konnte mich nie entscheiden. Warum gibt es nur diese beiden Optionen? Und ganz ehrlich, wer wird denn heutzutage „nur“ Hausfrau und Mutter? Karriere ist doch ein muss, zumindest wenn du ein Abi in der Tasche hast. Und wichtiger noch: Warum muss man sich die Frage als Schüler stellen und warum darf man sie sich nicht zu jedem Zeitpunkt wieder und wieder stellen? Was hält uns davon ab, es einfach zu tun? Warum nehmen wir Dinge so hin, nur „weil sich das so gehört“? Das hat auf lange Sicht noch nie jemanden davon abgehalten über den Tellerrand hinaus zu schauen, Mauern einzureißen, Neues zu erschließen. Wo wären wir, wenn nicht irgendjemand damit angefangen hätte? Und wie viel geht uns verloren, wenn wir jetzt damit aufhören?

Es sind nun ziemlich große Worte geworden. Natürlich weiß ich, dass ich die Welt selbst nicht merklich verändern kann. Also verändere ich das, was ich nach meinen Vorstellungen formen kann. Mein eigenes Leben.

Und ich lege jedem ans Herz, dies auch zu tun.

Fuck the critics.

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Ein Gedanke zu “F*ck The Critics

  1. Melanie schreibt:

    Ein sehr schöner Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht!
    Nicht auf die Kritiker und Schlechtredner hören!
    Wann wenn nicht jetzt zu dieser Zeit, sollte man sein eigenes Ding durchziehen und das machen, was einem Spaß und glücklich macht.
    Der Weg ist immer das Ziel, egal wie alt man ist!
    P.S.: Mein Leben ist ein Disney-Film und zwar „Mulan“! Den finde ich so toll!😊
    Liebe Grüße, Melli

    Liken

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