Rein ins Fitness-Studio = raus aus dem Körper?

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit einem Freund über die Themen Sport und Gewichtsabnahme. Jeder, der mich persönlich kennt, denkt sich wahrscheinlich jetzt so was wie „Wat willst du denn abnehmen? Bist doch rank und schlank.“ (Ich weiß, dass keiner von euch in diesem Wortlaut denkt, aber darum geht’s ja gar nicht)

Seit ich im letzten Jahr die Pille abgesetzt hatte – und darum soll es hier auch gar nicht gehen – habe ich zugenommen. Die einzige, der das aufgefallen ist, bin ich, weil mir meine Hosen nicht mehr vernünftig passen. Ich habe nun über ein halbes Jahr lang an mir rumgemäkelt, hauptsächlich an meinem Bauch. Aber geändert habe ich nichts. Ich habe keinen Sport gemacht und beim Essen auf nichts verzichtet, weil ich eigentlich daran glauben wollte, dass mein Körper mir sagt, was er braucht. Und er brauchte eben regelmäßig Chips und Schoki.

Vor knapp 3 Wochen habe ich mich dann zum ersten Mal aufgerafft und mich ernsthaft bewegt. Und das auch eigentlich nur, weil es plötzlich 30 Grad waren und ich in meinen kurzen Shorts aussah wie eine Presswurst. Ohne Flachs, ich habe einige Tage lang die Wohnung erst abends verlassen, weil ich mich dann in meiner langen Hose nicht tot schwitzen musste… Im Nachhinein komme ich mir natürlich dämlich vor, aber das verzeihe ich mir. Jeder ist mal dämlich.

Bewegung. In meinem Fall ging es mit Rückenyoga für Anfänger los und ich war ziemlich enttäuscht, als ich merkte, dass ich offenbar schlechter und ungelenker als ein Anfänger war… Außerdem wollte ich ja abnehmen und Yoga gehört meines Wissens nach nicht zu den schweißtreibendsten Sportarten (abgesehen von Poweryoga). Ich überspringe jetzt mal das Für und Wider zu allen erdenklichen Sportarten und Abnehm-Methoden und komme zum trivialsten aller Ergebnisse: Ich tanze. Ich mache mir meine Power-Playlist auf Spotify an und fange an, ganz intuitiv zu tanzen und mich zu bewegen. Ich höre auf meinem Körper, der genau weiß, wann es Zeit ist, mit dem Hüpfen aufzuhören und stattdessen die Arme zu strecken. Wenn der Beat eines Songs so gar nicht zu meinem Herzschlag passt (verzeiht den poetischen Einschub), dann setze oder lege ich mich hin und mache ein paar Fitness-Übungen und irgendwann stelle ich fest, dass ich schon 45 Minuten ununterbrochen am herumzappeln bin.

Zurück zu meinem Freund und dem Gespräch, das wir hatten. Ich erhielt 2 Tage später eine Nachricht von ihm und er teilte mir mit, dass ich für einen gewissen Zeitraum umsonst mit ihm im Fitness-Studio trainieren könnte. „Jackpot!“ würde wahrscheinlich jeder, der bei Sinnen ist, denken. Aber ich denke das nicht. Ganz unabhängig davon, wie cool es ist, dass mich jemand mit meinem Gejammer ernst nimmt und mir so was ermöglichen möchte, hat diese Nachricht eine Gedankenwelle in mir ausgelöst und mir ist nicht nur EIN Grund für die Ablehnung des Angebots eingefallen.

Zuerst dachte ich: „Finde ich mein Aussehen/Gewicht gerade wirklich so schlimm? Und wenn nicht, ist das die Faulheit, die da aus mir spricht?“

Gefolgt von: „Fitness-Studios sind voller Menschen, die voll sportlich sind und die Neid-Falle wird schneller zuschnappen, als ich meine Sportschuhe zubinden kann.“

Dann: „Ich besitze nicht mal Sportschuhe.“

Es ist so: Natürlich würde ich gern etwas abnehmen und sorglos ein bauchfreies Top anziehen können. Aber a) bin ich nicht übergewichtig und b) habe ich gar keine bauchfreien Oberteile. Auch, wenn meine Tanz-Methode (noch) keinen sichtbaren Erfolg zeigt, würde ich mich selbst nicht noch mal – wahrscheinlich nie wieder – dem Stress aussetzen, der allein das Wort „Fitness-Studio“ in mir auslöst. Ich möchte mich nicht auf Diät setzen und mir einen Trainingsplan erstellen. Es ist nicht so, dass ich das nie versucht hätte, aber Fakt ist, dass es nie funktioniert hat. Es ist mir wichtiger, dass ich mit meinem Körper ins Reine komme, als dass ich ihn krampfhaft verändern möchte. Und deshalb freue ich mich, wenn ich die Rollos runter mache, die Playlist starte und eine Stunde lang in meinem Körper bin. Ich lege mir keine Zeiten und keine Workouts fest, weil mein ursprünglicher Gedanke, dass mein Körper mir schon sagt, was er braucht, einfach wahr für mich ist und mich leitet.

Wir wollen alle fitter und/oder schlanker sein, aber ich glaube, dass ganz viele Leute das aus der falschen Motivation heraus wollen. Wenn wir unseren Körper mal nicht als Feind betrachten, sondern als Geschenk, dann würden wir ihn annehmen und uns um ihn kümmern. Das schließt Sport im Allgemeinen auf keinen Fall aus, aber genau so schließt es auch 3 Kugeln Schoko-Eis nicht aus.

Und mit diesem leicht esoterischen Schlusswort, verabschiede ich mich.

 

Lilli

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