Über den Sinn und Zweck der Vergangenheit – Künstler-Edition

Immer, wenn ich mich in einem Tief befinde (und das passiert… hin und wieder), dann suche ich nach den Dingen, die mich glücklich machen. Mittlerweile weiß ich, welche Dinge das sind. Aber nichtsdestotrotz vergesse ich sie einfach. Oder es sind eben genau nicht diese Dinge, sondern andere. Aber welche?

Seit einigen Wochen versuche ich das zu tun, worin ich Erfüllung finde. Ich will etwas schaffen, aber mir fehlen Motivation, Ideen, Möglichkeiten. Ich dachte mir „Mein Ding machen und kreativ sein hat mich doch immer glücklich gemacht, warum klappt es nicht?“ Woher habe ich früher diese Motivation, diese Ideen und diese Möglichkeiten genommen?

Ich klickte mich neulich so gelangweilt, wie schon seit einer Ewigkeit nicht mehr, durchs Netz und stieß durch Zufall auf Musik, die ich vor ungefähr einem Jahr rauf und runter gehört hatte. Vor einem Jahr war ich voller Tatendrang. Alles, womit ich mich zu dem Zeitpunkt beschäftigte, gab mir unglaublich viel Inspiration. Ich merkte, wie ich Stunden lang in diesen Erinnerungen schwelgte, Musik hörte, Videos und Fotos anschaute – Internet sei Dank ist das letzte Jahr nur einen Mausklick entfernt – und sich langsam Motivation in mir ausbreitete wie heißer Tee. Ich hab jetzt Ideen, alte und neue. Und die Möglichkeiten sie umzusetzen schaffe ich mir selbst. Wie damals.

Und normalerweise würde ich nicht empfehlen, sich der Nostalgie hinzugeben. Vergangenheit ist nicht ohne Grund Vergangenheit. ABER: Viele Künstler, und damit schließe ich Musiker, Autoren usw. ein, leben davon erlebtes zu verarbeiten und etwas daraus zu machen, was die Leute feiern.

Meine Inspiration ist immer da, in meinem Archiv aus Erinnerungen. Ich muss mir nur die passenden aussuchen und… Bäm.

Worauf möchte ich eigentlich hinaus?

Es ist egal, ob wir eine tolle Vergangenheit haben oder nicht. Solange wir anerkennen, dass sie vergangen ist, können wir mit dem Rest machen, was wir wollen. Vergeben, vergessen, neu starten. Und für diejenigen, die genau so einen schöpferischen Drang haben, wie ich: bedient euch an der Vergangenheit und holt euch Inspiration bis zum Abwinken. Es ist ein All-you-can-create-Buffet für euch ganz allein.

Zwei Dinge möchte ich zu dem Ganzen aber noch loswerden.

Ich habe kein Rezept und keine Tricks dafür, wie man mit seiner Vergangenheit abschließen kann. Allerdings habe ich hier mal einen Versuch festgehalten, der einem das Loslassen erleichtern soll. Es im Allgemeinen hilfreich, sich darüber bewusst zu werden, dass die Vergangenheit a) zu dem geführt hat, was heute ist (Stichwort Kausalität) und b) nicht die Zukunft festlegt. Das ist vielleicht der wichtigere Punkt. Die Vergangenheit bestimmt nicht deine Zukunft. Du hast jeden Tag die Möglichkeit dazu, deine eigene Zukunft zu schreiben.

Womit wir wieder beim Thema Kreativität wären. Die Vergangenheit ist natürlich nicht die einzige Inspirationsquelle, die es gibt. Für mich persönlich ist sie aber die verlässlichste – und das nicht, weil mir in meinem Leben so viele krasse Sachen passiert sind. Vergangen sind auch Reisen, Freundschaften, Gespräche, Kunst, die ich gesehen habe, Musik, die ich gehört habe und so weiter. Ich ziehe für mich daraus den Schluss, dass es irgendwie notwendig ist, das alles zu konservieren. Deshalb schreibe ich so vieles auf und archiviere meine Vergangenheit in allen möglichen Formen. Und das würde ich jedem empfehlen. Auch wenn wir denken, dass wir manche Dinge lieber vergessen wollen, oder uns Erinnerungen doch niemand nehmen kann. Die Zeit wird früher oder später ihr Übriges tun.

Das „Wort zum Sonntag“ in dieser Woche dreht sich sehr passend ebenfalls um das Thema Vergangenheit und Erinnerungen – Vorfreude!!

 

Lilli

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