Die selbstverschuldete Unmündigkeit

Ich bin schon eher ein ernster Mensch, würde ich sagen. Und es ist manchmal ganz schön schwer, einen Blog zu haben, auf dem es überwiegend positive Dinge zu lesen geben soll. Sollte. Denn ich hab mich dazu entschlossen, lieber ehrlich zu sein, als durchweg positiv. Ehrlich wollte ich immer sein. Positiv auch. Aber manchmal gibt es da thematisch einfach keine Schnittmenge, wie sicher einige bemerkt haben. Spätestens nach meinem Post über unverschämte, destruktive Menschen (nachzulesen hier).

Seit ungefähr einem Jahr gestaltet es sich besonders schwierig. Meine Bachelorarbeit zehrte an meinen Nerven. Mein soziales Umfeld litt darunter – oder ich litt unter der Entfernung zu meinem sozialen Umfeld, weil ich im Kopf ganz woanders war. Ich fühlte mich unverstanden und im Regen stehen gelassen. Im Regen aus Hiobsbotschaften, unerwarteten Krisen, Gewissensbissen und Burn-out-Symptomen. Ich wollte so gern positiv sein. Jeder mag positive Menschen. Ich auch.

Und ja, im letzten Jahr sind auch positive Dinge passiert. An diesen kleinen Dingen habe ich mich hochgezogen. Mit diesen Dingen habe ich geprahlt. Aber in erster Linie nur, um vor anderen Leuten nicht das Gesicht zu verlieren. Geklappt hat das semi-gut. Denn dieser Zustand verschlimmerte sich nach meinem Abschluss im April nochmal extrem. Und bisher ist keine Besserung in Sicht.

Es gibt aber nicht nur „positiv“ und „negativ“. Es gibt einen unglaublich riesigen Bereich dazwischen. Der ist schwer zu beschreiben und zu benennen aber er ist real. Und ich möchte nicht grinsend durchs Leben und durchs Internet hüpfen und behaupten, dass alles easy peasy lemon squeezy ist, wenn ich selbst in dem Moment nicht dran glaube. Ich glaube auch nicht daran, dass das Leben scheiße ist. Es ist cool, dass ich heute lebe. Dass ich überhaupt lebe. Danke, Mama. Aber leben allein reicht nicht, um sagen zu können, dass ich wunschlos glücklich bin. Wir Menschen sind ja bekannt dafür, mehr zu wollen. Versteht ihr, was ich meine?

Was ich eigentlich mit diesem Beitrag ausdrücken möchte ist:

Ich will mir erlauben, ehrlich zu sein. Wenn ich bisher Texte veröffentlicht habe, die ehrlich aber eher negativ waren, dann immer mit einem schlechten Gewissen. Aber wer mich kennt, weiß ja, dass ich nicht immer nur rummotze. Manche Dinge geben mir ein gutes Gefühl, manche ein schlechtes. Aber soll ich mich schlecht fühlen, weil ich mich schlecht fühle? – Nope.

Für den Leser dieses Blogs verändert sich hier gar nichts. Hoffe ich. Ich musste aber mal zum Ausdruck bringen, dass diese Grenze, die ich mir selbst gesetzt habe, diesen Blog zum positive Space zu machen, offiziell beseitigt wurde. Manche Gedanken müssen einfach raus. Da kann und möchte ich mich nicht darum sorgen, dass es nicht ins Konzept passt. Das Konzept habe ich mir überlegt und ich bin die einzige, die es ändern kann. Und siehe da, die graue Grütze in meinem Kopf ist nicht mehr ganz so dunkel.

 

Lilli

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