Das böse D-Wort. – Depressionen

Ich mag das Wort Depressionen nicht. Es kommt einem so vor, als hätte dieses Wort in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, denn es wird ziemlich inflationär benutzt. Plötzlich haben viele viele Leute Depressionen. Und Leute, die keine haben, fragen sich vielleicht ein bisschen zu Recht, ob das alles so stimmen kann. Depressionen sieht man nämlich in den seltensten Fällen. Wenn dir jemand sagt, er hat Depressionen, kannst du ihm glauben, oder eben nicht. Sie sind nicht wie ein Ausschlag, den man zeigen kann. Guck mal hier: Ich hab mir eine Depression eingfangen. Du kannst nicht zum Arzt gehen, Blut abnehmen lassen und feststellen, dass dein Depressionswert ganz schön hoch ist. So einfach ist das leider nicht.

Wahrscheinlich glauben viele Leute wirklich, dass sie Depressionen haben, denn das Internet bietet ja mittlerweile massenhaft Information zur Selbstdiagnose. Wenn man wirklich glaubt, man ist erkrankt, ist man dann ein Lügner, wenn es eigentlich gar nicht so ist? Das ist ein Thema, das ich heute nicht diskutieren möchte. Ich möchte darüber schreiben, dass Depressionen eine Volkskrankheit sind, ganz unabhängig davon, ob das bedeutet, dass man sie sich einbildet, oder nicht.

Warum haben plötzlich „alle“ Depressionen?

  1. Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen. Es ist viel passiert, vor allem in unseren gesellschaftlichen Strukturen. Glückliche Menschen sind leistungsfähig. Unglückliche Menschen sind eine Weile leistungsfähig und dann bremst sie etwas aus. Man fand heraus, dass viele Menschen Traumata erlebten und unterdrückten, die sie irgendwann einholten. Der Planet, die soziale Umgebung, die Erziehung – alles hat Einfluss auf den Menschen. Auf jeden Menschen. Wir sind so unterschiedlich. Und all die unterschiedlichen Erfahrungen prägen uns in unterschiedlicher Art und Weise. Und manche Menschen werden in einer Weise geprägt, die sie daran hindert, ein glückliches Leben zu führen. Bewusst oder unbewusst.
  2. Ent-Tabuisierung. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts arbeitet ein Teil der Menschheit aktiv daran, Umstände aufzudecken, anzusprechen und zu verändern, welche vorher einfach Tabuthemen waren. Früher wurden Frauen unterdrückt, oder Menschen mit dunkler Haut, oder Homosexuelle. Und eben auch Menschen mit psychischen Erkrankungen. Man musste sich verstecken, unterdrücken, wer man wirklich ist, um erfolgreich zu sein geschweige denn akzeptiert zu werden. Heute ist das nicht mehr so. Wir können uns outen, können, wenn wir uns trauen, jedem erzählen, wie es uns geht, wer wir sind. Wir müssen kaum noch Angst haben uns zu zeigen.

Meiner Meinung nach ist das ein Grund, weshalb viele Menschen sich trauen, ehrlich über ihre Depressionen zu sprechen. So auch ich. Ich schließe mich dieser Bewegung zu mehr Transparenz, Ehrlichkeit und Wahrheit an.

Seit Monaten überlege ich, wie ich mit dem Thema umgehen möchte und kann. Ich konsumiere über Social Media viele Inhalte, die genau diese Themen behandeln. Und ich will schon lange mitmachen. Ich will auch über Depressionen sprechen, weil ich glaube, dass es für betroffene oder Angehörige von betroffenen von Vorteil sein kann. Einerseits um sich nicht allein mit seinen Problemen zu fühlen und andererseits um sich Inspiration für den eigenen Umgang mit der Thematik zu holen. Vielleicht gibt es noch mehr Vorteile, aber das sind die, die ich für mich selbst bemerkt habe.

Denn momentan bin ich wie ein Schwamm und sauge alles an Tipps, Zuspruch und Hoffnung auf, was ich kriegen kann. Ich bin für jeden beruhigenden Gedanken dankbar, auf den ich nicht selbst gekommen bin, welcher mir von Instagrammerin XYZ in Erinnerung gerufen wird, weil sie gerade etwas ähnliches durchmacht wie ich.

Ich habe diesen Blog damals gestartet, weil ich Positivität verbreiten wollte. Ganz allgemein einfach positiv sein. Wenn es mir schlecht ging, dann konnte ich hier nichts veröffentlichen, weil ich nichts Positives zu sagen hatte. Aber der Schreibprozess an sich ist und bleibt eine positive Konstante in meinem Leben. Warum zum Teufel habe ich das so lange unterdrückt?

Weil mir die Meinung meiner Leser zu wichtig war. Ich wollte nicht enttäuschen, nicht langweilen und vor allem nicht mein Wort brechen und plötzlich über schlechte Dinge schreiben. Aber wisst ihr was? So ist es nun mal. Ich habe nun mal Depressionen. Ich muss das akzeptieren. Ihr müsst das akzeptieren. (Natürlich nur, wenn ihr das hier lesen wollt, andernfalls könnt ihr ja auch einfach wegklicken.)

Schluss mit dem Versteckspiel und Schluss mit der Unterdrückung. Jeder ist eingeladen, zu sein, wer er ist. Jeder darf so fühlen wie er fühlt und jeder darf das kommunizieren, wenn er möchte.

Das Leben mit Depressionen ist manchmal sehr unschön. Und gerade weil man viel auf Unverständnis stößt, möchte ich hier ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten. Was privilegiert mich dazu? Ich bin eine Betroffene. Keine Ärztin, Therapeutin oder so. Ich lebe mit Depressionen und kann euch davon erzählen, wie ICH das mache. Das ist ein Auszug aus der ganzen Materie. Ein ganz subjektiver. Andere Menschen mögen vielleicht ähnlich damit umgehen, ähnliche Erfahrungen machen oder komplett andere. Und nein – nur, weil Depressionen für jeden Menschen irgendwie anders sind, heißt es nicht, dass der eine sie sich einbildet und der andere nicht. Grundsätzlich sollte Menschen, die offen von ihren Gefühlen und Umständen erzählen, erstmal geglaubt werden. Es ist nämlich ziemlich mutig das offen zu kommunizieren. Man macht sich bewusst verletzlich. Und jemandem, der nicht lügt, nicht zu glauben, ist verletzend.

Demnächst wird es hier also wieder Lesestoff geben. Zwei Sachen dazu:

Ich weiß, dass es sinnvoll und wichtig ist, regelmäßig zu posten. Aber da ich diesen Blog allein am Laufen halte und meine innere und äußere Verfassung unberechenbar ist, möchte ich mir diesen Druck nicht machen. Ich poste, wenn ich etwas zu sagen habe und freue mich über jeden Leser, der das akzeptiert und unterstützt.

Im deutschen Sprachgebrauch wird überwiegend über „psychische Erkrankungen“ gesprochen. Hier in diesem Rahmen möchte ich mich, soweit möglich, an den englischsprachigen Gebrauch „mental health“, also psychische GESUNDHEIT gewöhnen. Denn ja, auf der einen Seite ist es nun mal eine Erkrankung. Andererseits strebt man ja irgendwie danach gesund zu werden. Das hat mehr mit Mindset zu tun, als damit, seine Erkrankung nicht anzuerkennen. Meiner Meinung nach gibt es einen großen Unterschied zwischen „Ich bin krank“ und „Ich werde gesund“. Die Frage, ob psychisch kranke Menschen überhaupt gesund werden können, werde ich an anderer Stelle behandeln.

So sieht’s aus, Leute. Ich wünsche euch einen wundervollen Tag!

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