Manche sagen die Welt vergeht in Feuer

In der Welt, in der ich aufgewachsen bin, wurde nichts hinterfragt. Wer hinterfragt, war seltsam oder penetrant, ätzend, Außenseiter. Ich bin so jemand geworden. Ich. Ausgerechnet ich. Die, die so ungern an Auseinandersetzungen teilnimmt. Harmonie und ein entspanntes Miteinander waren mir immer wichtiger, als Recht zu haben. Um mit den Meinungen anderer Leute umzugehen, habe ziemlich schnell etwas gelernt, was mich damals, wie heute zu einem recht angenehmen Menschen macht: Toleranz. Und obwohl ich tolerant und verhältnismäßig nett bin, ist es jetzt Zeit für… eine kleine Korrektur an meinem Umgang mit Meinungen.

Wir haben keine Zeit mehr, um leise zu sein.

Und das ist neben der akuten Situation, in der sich unser ZU HAUSE gerade befindet, das grausamste für mich: dass ich nicht mehr leise sein kann. Es tut weh diese Stellung zu beziehen, weil sie sich gegen rund 90% meines sozialen Umfelds richtet. Es tut mir Leid Leute, aber ihr müsst aufhören, Fleisch zu essen, wenn es euch wichtig ist, dass ihr hier auf diesem Planeten leben könnt. Ihr müsst euch einschränken, um uneingeschränkt zu sein. Ihr müsst eure Flugreisen und Kreuzfahrten drastisch minimieren, damit ihr und eure Kinder und eure Enkel noch genug Luft zum atmen habt. Genug Wasser zum Trinken. Genug Land um darauf zu leben.

Ich versuche mir einzureden, dass bestimmt viel mehr Unwissenheit hinter der Ignoranz steht, als Ignoranz. Keiner meiner Fleisch-essenden Freunde ist böse oder egoistisch. Aber so, wie es momentan im Regenwald aussieht, fange ich an, an gewissen Entscheidungen zu zweifeln. Mir ist es tatsächlich unerklärlich, wie man sich nach den letzten Bildern und Berichten aus Brasilien, Bolivien etc. noch an die Fleischtheke und das Wurstregal verirren kann. Würden wir alle aufhören, Fleisch zu essen, dann gäbe es 80% weniger Grund dafür, den Regenwald für Ackerflächen abzubrennen. 80% !! Das habe ich mir nicht ausgedacht, weil ich ein nerviger Veganer bin. Es ist in allen möglichen Artikeln über den brennenden Regenwald nachzulesen.

Wir müssen keine Gutmenschen werden. Oder Öko. Niemand muss so werden, wie ich. Ich lade hiermit einfach nur ein, ganz kurz nicht die Ego-Bedürfnisse zu stillen, sondern für die nächsten 5 Minuten offen für etwas Anderes zu sein.

Nimm bitte für einen Moment an, dass alles, was die Wissenschaftler, die Fridays for Future-Kinder, die Veganer und Umweltschützer sagen, wahr ist. Dann wirst du wissen, dass der Point of no return für unseren Planeten bald erreicht ist. Der Punkt, an dem sich die Erde nicht mehr selbst heilen kann. Wir können nirgends sonst hin. Es wird Mord und Totschlag geben, Wasserknappheit (ja, auch in Deutschland), Hunderttausende Flüchtlinge (ja, noch mehr davon in Deutschland), das Essen wird knapp werden, weil durch lange Dürreperioden kaum noch Brauchbares geerntet werden kann (ja, auch in Deutschland). Und das werden wir, aber spätestens unsere Kinder auf jeden Fall erleben. Das erste, was du tun kannst, als jemand, der für diesen Moment all das für bare Münze nimmt, ist dich selbst zu fragen: Will ich das?

Verzeih, wenn ich dir den Wind aus den Segeln nehme. Du kannst das nicht wollen. Denn es ist ebenfalls eine wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Mensch das Grundbedürfnis nach einem zu Hause hat. Nach einem Dach über dem Kopf und einem sicheren Ort zum leben. Dazu gehört der Boden, auf dem unsere Häuser stehen und die Luft die wir atmen. Denn was nützt uns unsere schöne Doppelhaushälfte mit Garten und Pool, wenn keine Luft da ist oder die nächste Umweltkatastrophe einen Doppelhaus-Schutthaufen draus macht?

Sei dir bitte bewusst, dass jeder einzelne Mensch dieses Bedürfnis hat. Jedes Kind, jeder Nazi, jeder, der gerne Bauer sucht Frau guckt. JEDER. Wir haben das alle gemeinsam. Wir alle wollen den Planeten erhalten, auch wenn das 2 Ecken weiter gedacht ist, als wir im Alltag denken. Und an dieser Stelle ist es wichtig, dass wir das verinnerlichen. Denn nur ein bejahender Gedanke rettet die Welt nicht. Eine kleine, einmalige Spende an den WWF rettet die Welt nicht. Wir dürfen jeden Tag hier leben, es sollte außer Frage stehen, dass wir diesem Planeten mit Dankbarkeit und Respekt gegenüberstehen. Jeden Tag.

Die Welt retten, das klingt ganz schön unmöglich. Man kann doch nicht plötzlich sein ganzes Leben umkrempeln. Man will das ja auch gar nicht. Die eigenen Bedürfnisse sind so viel wichtiger als der Regenwald, als das Klima. „Ich sehe das gar nicht ein.“ Wenn du das jetzt auch denkst, dann weise ich dich in aller Nettigkeit drauf hin: das ist keine Meinung, das ist verantwortungslos. Man muss nämlich gar nicht alles umkrempeln. Die Annahme, dass man auf all die schönen Dinge des Lebens verzichten muss, macht das alles zu einem höchst emotionalen Thema. Ich lade dich hiermit nochmal ein, die Perspektive zu wechseln.

Was wäre, wenn es nicht darum geht, etwas nicht mehr zu tun oder nicht mehr zu essen?

Was wäre, wenn du stattdessen aktiv hilfst? Wenn es immer nur um den Verzicht geht, dann befinden wir uns in diesem defizitären Mindset und das ist nachweislich nicht gut. Macht schlechte Laune, birgt Zwänge und immer auch die Gefahr „nicht durchzuhalten“. Jeder, der schonmal mit dem Rauchen aufhören oder eine Diät machen wollte, weiß, wovon ich spreche. Wir müssen nicht viel verändern, außer unser Mindset. Von „ich verliere etwas“ zu „ich gebe etwas“.

Ich habe jetzt eine Weile überlegt, wie man diese Aussage anders, weniger fordernd oder resolut klingen lassen kann. Aber es ist so: Das beste und einfachste, was jeder Mensch tun kann und tun muss, damit Dinge sich bessern können, ist Leben geben. Also kein Fleisch zu konsumieren. Es gibt so viele Alternativen zu Fleisch. Ob es das Schnitzel, die Bratwurst, der Schinkenspicker, die Bolognese oder die Chicken-Nuggets sind: das vegetarisch-vegane Kühlregal hat all das und noch mehr zu bieten. Es ist nicht schwer, es ist nicht teurer oder aufwändiger und es ist so viel umweltfreundlicher, als das tierische Pendant. Mach dir keine Sorgen um deine Gesundheit. Und falls doch, dann iss einfach ein bisschen Grünzeug mehr. Das ist eh günstiger.

Ich sage das so plump, weil ich wirklich glaube, dass jeder das kann. Wenn wir darauf zurückblicken, was wir alles schon geschafft haben, dann ist das wohl ein Klacks. Wir als Menschen haben kollektiv geschafft, dass der Planet vor die Hunde geht. Das ist eine riesen Leistung. Auf Fleisch zu verzichten, ist es im Gegenzug nicht.

Zum Schluss möchte ich mich entschuldigen, falls ich mit meinem Text jemandem auf den Schlips getreten bin. Ich habe das nicht geschrieben, um jemanden anzuprangern, zu verletzen oder um den Startschuss für die nächste Grundsatzdiskussion zu geben. Das Thema ist mir wichtig, weil es eben nicht nur mich betrifft, sondern uns alle und unsere komplette (Um-)Welt. Ich wünschte, ich könnte leichter über all das reden. Beschwingter, positiver. Kann ich aber nicht. Es gibt aber Menschen, die das können und bitte bitte: sucht solche Menschen. Ich verlinke unten gerne ein paar Dinge, die vielleicht einen einfacheren Zugang bieten.

So, und ein letztes Mal bitte ich dich nun, noch einmal in die Rolle von eben zu schlüpfen. Die Rolle der Person, die sich fragt, ob sie eine kaputte, gefährliche Welt möchte und was man gegen das alles tun kann. Frag dich selbst mal, ob du vielleicht selbst noch Fragen hast. Darüber, wie du helfen kannst, wie du das anstellen sollst mit dem Fleisch-Verzicht und so weiter. Und wenn du tatsächlich eine oder mehrere Fragen hast, meld dich gern bei mir. Man kann über alles reden, man findet für alles eine Lösung. Wenn du das möchtest. Das sage ich nicht aus irgendeiner abgehobenen Position heraus, sondern weil ich finde, dass miteinander reden immer besser ist, als gegeneinander oder gar nicht. Schreib mir gern einen Kommentar, eine Mail (thespiritlilli@gmail.com) oder bei Instagram (spirit.lilli).

→ Vegan ist ungesund (YouTube-Kanal)

→ WWF (all umfassende Berichte zum Thema Klimaschutz)

→ Albert-Schweizer-Stiftung (Artikel)

→ Earthlings (Film)

→ What the Health (Film – gibt es bei Netflix zu sehen)

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